Montag, 26. September 2016

Es gruselt




Letzte Woche wurde es ein paar Tage lang ziemlich kühl und trüb. Sonntags war Chitto noch wahnsinnig faul, aber das änderte sich dann, als ich ihn Dienstags besuchen kam. Er war beim Abreiten auf dem Platz schon recht knackig und so sind wir nur im Schritt ins Gelände gegangen.
Mittwochs wurde dann auf unserem Reitplatz eine Gruppenreitstunde gegeben und ich bin direkt ins Gelände. Schon beim Schritt reiten war Chitto äußerst guckig und flott unterwegs. Beim ersten Trab und Galopp dann aber wieder total normal.
Allerdings heizt er sich schnell mal auf, das heißt er wird nach dem ersten Galopp gerne schneller und möchte am liebsten nur noch mehr galoppieren. Weil er dann so gut drauf war, dachte ich ich trabe einfach viel und musste dabei schon aussitzen. War zwar eine gute Übung für mich, aber auch ganz schön anstrengend. Beim Angaloppieren haute er erstmal die Bremse rein und wollte seine kleinen Buckler lassen, also galoppierte ich, quasi aus dem Stand, direkt nochmal an, dabei zog er ordentlich an und ich hatte alle Hände voll zu tun, er kann nämlich wenn er will.

Auf dem Rückweg trabte ich dann noch kurz auf dem Asphalt, das stärkt die Sehnen, und wollte dann im Schritt heimwärts reiten. Dabei nahm ich einen kleinen versteckten Weg durchs Maisfeld, andem am Ende ein abgeknickter Baumstumpf steht, der schon von Termiten und Ameisen befallen war.
Es war schon am Dämmern und Chitto war der Stumpf nicht ganz geheuer, also machte er einen kleinen Bogen darum. Eigentlich nichts Schlimmes, aber ich wollte, dass er normal daran vorbei geht, also nochmal hin. Und da fing das Theater an, er rannte meterweit Rückwärts, seitwärts, drehte sich im Kreis und rannte fast in Zäune und Bäume. Mit ein wenig Ahnung von meinem Pferd, dachte ich weiter rückwärts treiben wäre die Lösung, aber da war er schon viel zu aufgedreht. Nach dem zweiten, dritten, vierten Mal war ich kurz vor dem Aufgeben. Chittos Herz raste wie verrückt, ich konnte es ganz deutlich durch das Sattelblatt spüren. Seine Nüstern waren weit offen, er prustete wild und die Ohren waren spitz nach vorn gerichtet, der Kopf oben, die Augen weit. Sobald wir uns dem Stumpf auf drei Meter näherten blieb er wie verstarrt stehen, ging keinen Schritt vorwärts. Sobald ich abwendete rannte er wieder rückwärts, bestimmt zehn Meter weit, oder mehr.
Nach ettlichen Diskussionen, die immer in noch größerer Panik endeten und meine Nerven wirklich blank lagen, war ich kurz davor aufzugeben und abzusteigen, oder einfach umzudrehen. Ich wusste, dass es keinen Sinn mehr hatte sich zu streiten, weil er sich nur noch mehr reinsteigern würde und ich schon total genervt war. Kurz - Chitto ist bei weitem kein Schisser, er tut nur gerne so, um mich auszutesten, ich wusste also, dass er mir das Theater nur vorspielt, weil er gut drauf war und er steigerte sich einfach total rein, sodass es in richtiger Panik endete. Ich werde dabei nicht laut, reagiere zwar genervt, aber versuche innerlich und vor allem äußerlich ruhig zu bleiben. Jedenfalls kam mir dann eine Idee, die mich davor gerettet hat, als Verlierer aus dem Kampf zu gehen. Ich überlegte mir, wenn er so schön Rückwärts gehen kann, dann kann er ja auch in die andere Richtung rückwärts und so sind wir den ganzen Weg rückwärts zum Baumstumpf und haben erst dort wieder unseren normalen Weg aufgenommen - und siehe da, kein Problem.

Sonntag, 25. September 2016

No-Go Pferdeverkauf



Oftmals stelle ich entsetzte Reaktionen fest, wenn in der Pferdewelt jemand sein Pferd verkauft, welches er ja über alles lieben müsste, es ist ja schließlich sein Pferd. Auch mich habe ich bereits bei solchen Gedanken ertappt, wenn ich das Pferd heimlich selbst total toll fand und es einfach nicht nachvollziehen konnte. Gerade wir Freizeitreiter legen gerne mal den Stempel "Er liebt sein Pferd nicht" auf. Eine Mensch-Pferd-Beziehung wird manchmal fast mehr geheiligt als die Beziehung zum Partner, so fühle ich das zumindest.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen es das Beste für Pferd und Reiter ist zu verkaufen. Sei es nun, dass die Chemie ganz grundlegend nicht stimmt, oder Erwartungen nicht erfüllt wurden. Denn wir Freizeitreiter müssen nicht nur im Sport mit dem Pferd auskommen, sondern wollen gleichzeitig auch ein wenig Vergnügen bei der Sache. Und um ehrlich zu sein, selbst wenn man ein Pferd vor dem Kauf mehrmals probegeritten ist, so ganz weiß man nie, was einen zu Hause erwarten wird. Es gibt auch Pferde die sich nach kurzer Zeit vom lieben Kinderpony in ein buckelndes und steigendes Monster verwandeln. Daher finde ich berechtigt zu sagen, man hat ein falsches Bild vom Pferd gehabt und auch nach langen Versuchen ist es nicht besser geworden. Es nützt ja schließlich nichts, wenn man sich nicht mehr auf das eigene Pferd traut, oder keinen Spaß an der Arbeit damit hat.
Aber auch, wenn man die erste Zeit glücklich und zufrieden mit seinem neuen Liebling ist, was ist wenn sich die Interessen ändern? Ich zum Beispiel wollte immer ein reines Geländepony, das war Chitto nicht unbedingt, er war eben noch jung, aber man konnte eins aus ihm machen. Nach einiger Zeit hatte ich allerdings Blut an der Dressur geleckt, mir gefiel der Gedanke mit meinem Pferd etwas zu erreichen, etwas zu erarbeiten, aber auch hieran scheiterten wir wieder kläglich. Mittlerweile habe ich mein Geländepferd, hätte aber viel lieber ein Dressurpferd. Für mich kommt ein Verkauf nicht in Frage, aber ich fände es durchaus nicht schlimm, wenn jemand aus Interessenwechsel das Pferd verkauft. Denn jemand anderes wäre vielleicht viel glücklicher mit dem Pferd und ich mit einem anderen (nur mal als Beispiel). Dann würde es auch dem Pferd besser gehen, denn in eine Rolle gesteckt zu werden, die es nicht ausfüllen kann oder will, ist eher frustrierend, für Pferd und Reiter.

Wo ich persönlich keinerlei Verständnis habe, ist sein Pferd ohne genügend Geld noch irgendwie zu haben, um es einfach zu haben. Ich bekomme Chitto noch größtenteils von meinen Eltern finanziert und kann mich immer an diese wenden, sollte etwas sein, aber auch ich werde einmal in die Berufswelt gehen und dabei mehr oder weniger erfolgreich sein. Nun ist vielleicht abzusehen, wie viel ich in etwa in meinem späteren Beruf verdienen werde, aber es könnte auch alles anders kommen. Dann müsste ich wohl oder übel in einen anderen Stall wechseln, oder eben verkaufen. Solange ich wüsste, es ist zum Wohle meines Pferdes, würde es mir zwar schwer fallen, jedoch wäre es notwendig. Denn Hufschmied, Tierarzt, Unterbringung und Futter zahlen sich nicht von allein.
Genauso steht es mit der Zeit oder auch der Lust. Habe ich einen Job, der mich täglich zehn Stunden einspannt und ich mich danach nur noch auf die Couch legen möchte, so wäre es doch, wieder einmal zum Wohle des Pferdes besser es an jemanden zu geben der mehr Zeit hat und sich ausreichend um das Pferd kümmern kann.

Letztendlich gibt niemand sein Pferd freiwillig einfach so in andere Hände. Es hat schon immer seine Gründe, die man verstehen und über die man nachdenken sollte. Im Grunde ist es halb so schlimm und so lange Pferd und Besitzer damit glücklich sind und zum Wohlergehen des Tieres gehandelt wird, ist es absolut in Ordnung. Ich denke wir sollten nicht allzu schnell urteilen und lieber nachdenken, wie wir die Situation empfunden hätten.

Freitag, 23. September 2016

Ein Farbwandler

Als ich Chitto im Februar 2012 bekam, war er noch fast komplett rot, nur der Rücken hatte einen weißen Schleier, aber er war allgemein sehr viel dunkler als die letzten Jahre.
Gegen unseren ersten gemeinsamen Sommer bekam ich dann einen Schreckmoment, denn mich beschlich damals immer mehr das Gefühl er könnte zum Schimmel werden, zum richtigen Schimmel. Bereits nach zwei Jahren wurde er im Sommer bis auf ein paar Stellen am Bauch, den Beinen und am Kopf sehr hell, fast schon komplett weiß, sodass jeder meinte er würde zum Schimmel werden.
Diesen Sommer wurde er wieder sehr hell, bekam aber rote Punkte, fast wie ein Fliegenschimmel. Es war eigentlich wie jeden Sommer, jeder sprach mich darauf an, wie hell mein Pferd ja geworden wäre und dass er garantiert noch komplett schimmeln würde. Nach einer Unterhaltung mit einer Pflegerin aus dem Stall, die ein ähnlich gezeichnetes Pferd hatte, wurde der Verdacht bestärkt. Auch ihr Pony hellte im Alter auf, wurde zwar nie ganz Schimmel, dennoch aber um einiges heller.
Nun aber bekommt Chitto langsam sein Winterfell zurück und wird, entgegen der Meinung aller anderen wieder dunkel.
Es bleibt also ein Rätsel, ob er jemals zum richtigen Schimmel wird, oder für immer ein Farbwandler sein wird. ;)

Ich habe mal eine kleine Vergleichsbildreihe aufgestellt, um seine Entwicklung zu beobachten. Leider fehlen mir allerdings ein paar Jahre zwischendrin und die Qualität lässt auch zu wünschen übrig. Trotzdem kann man erkennen, wie dunkel er tatsächlich war, als ich ihn bekam, dass er aber innerhalb von zwei Monaten extrem aufhellte. Ganz so dunkel ist er nie wieder geworden, aber heller, als in seinem ersten Sommer auch nicht wirklich. Nur die Mähne, die war anfangs rot und ist mittlerweile zu einem gelbstichigen Blond geworden. Das Lustige dabei ist, wie ich finde, dass sein Schopf rot geblieben ist. Wie man auf den Bildern auch erkennen kann, hat sich die Mähne umgelegt, mir ist das bis vor ein paar Monaten nichtmal aufgefallen.

 März 2012


 Mai 2012



Juli 2012




 Winter 2013



 April 2016


Juli 2016


 September 2016

Dienstag, 20. September 2016

Das Pferd richtig führen

Jeder von uns kennt wohl die klassische Weise ein Pferd zu führen. Dabei steht der Reiter etwa auf Kopfhöhe des Pferdes und hält den Strick recht kurz, zum Anhalten wird Druck am Halfter aufgebaut.
Auch ich habe so das führen gelernt und grundsätzlich ist nichts schlechtes daran sein Pferd so zu führen, jedoch gibt es andere Methoden, die in meinen Augen besser sind.
Allerdings gibt es so viele verschiedene Art und Weisen sein Pferd zu führen, dass man oft den Überblick verliert und nicht weiß, welche nun die beste ist. Grundsätzlich denke ich, dass es nicht die eine Lösung für jedes Problem gibt, somit auch nicht die eine korrekte Führmethode für jedes Pferd. Hier möchte ich euch zwei Führpositionen vorstellen, die sich für mich bewährt haben und die ich regelmäßig anwende.

Die Ausrüstung


Grundsätzlich führe ich am Halfter und verwende immer einen langen, dicken Strick mit Karabinerhaken, nicht mit Panikhaken. Ich denke, dass ist eigene Sache, ob man einen Panikhaken zum Führen verwendet, ich fasse grundsätzlich den Strick nie so kurz, dass er aufgehen würde, allerdings ist der Strick, den ich verwende mein dickster, längster und robustester, sodass ich damit gut zurecht komme. Eine Situation in der ich den Panikhaken gebraucht hätte, hatte ich tatsächlich nur ein einziges Mal am Putzplatz.
Falls das Pferd etwas wilder sein sollte würde ich persönlich einen stabilen Serreta-Kappzaum (natürlich eine ohne Zacken) einer Kette bevorzugen. Als Chitto noch etwas jünger war und ich auch des öfteren mit ihm Fahrrad gefahren bin, habe ich meist eine Kette eingeschnallt. Allerdings habe ich bemerkt, dass eine Kette sich nicht wieder vollständig lockert, wenn man einmal daran gezogen hat und ich kann mir vorstellen, dass der dauerhafte Druck nicht sehr angenehm ist.
An der Trense führe ich niemals, denn auch, wenn einige Versicherungen nur dann bezahlen, es kann ganz schön gefährlich für das Pferd werden, wenn es auf die Zügel oder den Strick tritt, oder irgendwo hängenbleibt. Ein Halfter reißt zur Not, ich habe schon einige reißen sehen. Auch eine Trense reißt irgendwann, aber die Schäden, welche die Trense anrichten kann nehmen auf jeden Fall ein weitaus größeres Ausmaß an. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass ein Pferd, das wirklich davon will, sich auch mit Trense losreißt.
Was als Ausrüstung für den Reiter nicht fehlen darf, egal ob man nun mit Kette, Strick und Halfter oder am Kappzaum führt sind Handschuhe. Nicht nur kann man sich damit Blasen ersparen, sie geben auf jeden Fall auch mehr Griff, sodass der Strick nicht so schnell aus der Hand gezogen wird.

Führen vor dem Pferd


Der Grundstein beim Führen ist für mich Respekt und auch wenn einige Pferdemenschen meinen die Kommunikation zwischen Pferd und Mensch beruht auf rein freundschaftlicher Basis und hat mit Vertauen, nicht aber mit Respekt zu tun, so sehe ich das anders. Jeder der das denkt, sollte einmal versuchen mein Pferd in freundschaftlicher Weise auf Schulterposition im Gelände zu führen. Er wird schnell merken, dass das nichts mehr mit Führen zu tun hat, allenfalls führt Chitto dann selbst. Daher habe ich zum Spatzierengehen eine Führposition gewählt, bei der man vor dem Pferd geht und das Pferd einen gehörigen Abstand halten muss. Wie viel Abstand hängt von Pferd und Reiter ab. Ich persönlich brauche sehr viel Platz für mich selbst und mag es gar nicht, wenn Chitto näher als auf einen halben Meter an mich ran tritt, grundsätzlich reicht aber eine Armlänge aus.
Sollte das Pferd diesen Abstand nicht automatisch einhalten, muss nachgeholfen werden, indem man mit dem Strick richtung Brust schlenkert, oder die Brust mit einer Gerte antippt.
Lange habe ich den Strick vor Chittos Kopf herumgeworfen, was allerdings nicht wirklich die richtige Wirkung erzielte, viele Pferde sehen das als Einladung zum Spiel. Eine Körpersprache, die eigentlich unmissverständlich ist, stehen bleiben und ein Bein anheben. Chitto allerdings versteht das überhaupt nicht, vielleicht versteht er es, aber es ist ihm egal. Er ist generell eher dominant und aufdringlich und auch bei anderen Pferden missachtet er diese Drohung.
Diese Führposition ist jedenfalls die einzige, die für uns im Gelände funktioniert und umsetzbar ist. Auch wenn es manchmal stressig sein kann, Chitto ständig auf seinen Platz zu schicken, wenn ich es nicht tun würde, würde er mich durch die Gegend schleifen. Das hatte ich schon und will ich nicht mehr.
Unsere Bindung und unser Vertrauen ist dadurch überhaupt nicht gestört, Chitto folgt mir überall hin, erschrickt er sich mal, macht er einen Satz, bleibt aber sofort stehen.

Führen auf Schulterhöhe


Eine weitere Führposition die sich bei uns eingeschlichen hat ist das Führen auf Schulterhöhe, was ich nur zur Gymnastizierung, oder zum Aufwärmen verwende. Dabei kann man in der exakten Position etwas variieren. Ist das Pferd eher triebig, stelle ich mich weiter nach hinten, allerdings nie hinter die Schulter. Ist das Pferd eher fott unterwegs kann ich mich auf Kopfhöhe stellen und es etwas begrenzen. Allgemein steht man aber nicht direkt am Pferd, sondern lässt ihm einen gewissen Freiraum, der Strick hängt auch hierbei durch und wird nur eingesetzt, falls nicht auf die Körpersprache reagiert wird. Zum Anhalten trete ich einen großen Schritt nach vorne und halte die Gerte, als verlängerten Arm vor das Pferd. Um eine Volte oder einen Zirkel zu gehen lasse ich mich etwas zurückfallen und drehe meinen Oberkörper ein, dadurch kommt das Pferd automatisch in meine Richtung, falls nicht gibt es einen kleinen Ruck mit dem Strick. Chitto macht das auf dem Reitplatz super, er reagiert sofort auf meine Zeichen, im Gelände rennt er mir zu sehr davon und ich muss schauen, dass ich nachkomme.

Sonntag, 18. September 2016

Entscheidungen

Entscheidungen muss jeder treffen, täglich, stündlich, egal, ob sie klein oder groß sind. Heute morgen stand ich vor einer für mich eher schweren Entscheidung, auch, wenn es im Grunde etwas belangloses war. Die Frage war, gehen wir auf das Geschicklichkeitsturnier, trotz des unaufhörlichen Regens in der Nacht und weiterer Wetterwarnung vor starkem Dauerregen, oder nicht. Mein Vater, der uns fahren wollte, machte dann kurzen Prozess, er hatte wenig Lust im Regen dort hinzugehen und auf uns zu warten. Der Himmel sah auch wirklich nicht aus, als würde es besser werden und so sind wir daheim geblieben. Ich bin etwas enttäuscht, da ich mich wirklich riesig darauf gefreut hatte und unbedingt fahren wollte, aber jetzt lässt sich nichts mehr daran ändern.

Nun stehe ich vor einer weitaus wichtigeren Entscheidung für Chitto und mich, einer längerfristigen Entscheidung. Bereits vor ein paar Wochen habe ich angekündigt, dass es mit uns nicht mehr so weitergehen wird, wie bisher. Nachdem wir einige Wochen eine generelle Reitpause hatten und auch kaum im Gelände waren, bin ich die letzten beiden Tage auf dem Platz geritten und habe einen Entschluss gefasst. In der nächsten Zeit steht auf jeden Fall viel Gelände und Longenarbeit an. Chitto wird also zum echten Geländepony werden. Auch wenn viele von euch mir Mut gemacht haben und mir einige Tipps gaben, oder es äußerst schade fanden, ich habe mich entschlossen. Aufs Erbrechen zu üben, dabei die Laune meines Pferdes zu verderben und meine gleich mit, das möchte ich nicht mehr. Eine weitere Situation hat sich nun ergeben, die ich als Bestätigung sehe: meine Reitlehrerin kann uns nicht länger unterrichten. Ich werde versuchen extern auf Schulpferden Reitunterricht zu nehmen, um mich erstmal selbst in meinem Sitz zu sichern und dabei ein Pferd zu haben, welches mir meine Fehler nicht übel nimmt.
Ich sehe das nicht als aufgeben, schon gar nicht gebe ich mein Pferd auf, im Gegenteil, ich höre auf mein Pferd und mich selbst und wir sagen beide es geht so nicht weiter. Seit Jahren treten wir auf der selben Stelle und verbessern uns nur schleppend. Es war immer ich die uns weiter obengehalten hat und nicht gesehen hat, dass wir auf dem falschen Weg sind. Chitto hatte nie Spaß an der Dressur und aufgrund seines Körperbaus fällt es ihm zusätzlich schwer alles umzusetzen. Er arbeitet während der Stunde mehr gegen mich, als mit mir zusammen und ich sehe das mittlerweile als Zeichen dafür, dass er es nicht möchte. Ob wir das Training jemals wieder aufnehmen werden, weiß ich ehrlich nicht. Es kann sein, es kann aber auch nicht sein. Das wird mir mein Bauchgefühl sagen.
Schon sehr lange habe ich mit dieser Überlegung gespielt, eigentlich schon seit Jahren, allerdings habe ich mich nie getraut den Plan in die Tat umzusetzen, einfach weil es so viel Veränderung bedeuten würde.
Momentan sehe ich Chitto aber mit anderen Augen, ich sehe ein viel glücklicheres, gelasseneres Pferd. Er geht gerne ins Gelände, oder macht mit mir vom Boden aus Quatsch, das sind seine Lieblingsbeschäftigungen, nicht jeden Tag in der Woche wie besessen auf dem Platz ackern, nur um mir ein gutes Gefühl zu geben. Ich habe nun nach vier langen Jahren endlich eingesehen, dass ich mein Pferd und mich nicht verbiegen kann, dass ich nichts verlangen kann, das er nicht möchte, weil wir dann nur gegeneinander arbeiten, niemals aber miteinander. Wir werden schon andere Beschäftigungen finden, die uns beiden(!) viel mehr Spaß machen und werden euch natürlich auch in Zukunft darüber berichten. Ich werde mir wohl andere Wege und Mittel suchen müssen, um meiner geheimen Leidenschaft, der Dressur näher zu kommen, aber solange mein Pferd dabei glücklich ist, bin ich es auch.

In nächster Zeit werden wir uns also vor allem dem Gelände widmen, zusätzlich möchte ich anfangen mit Ausbindern zu longieren, um keine Muskulatur abzubauen. Ein wenig mehr Bodenarbeit, um unsere Bindung zu stärken und Chitto zu gymnastizieren, packe ich vielleicht auch ins Programm. Dabei bleibt es dann aber auch.



Samstag, 17. September 2016

Update: Gelassenheits- und Geschicklichkeitstraining


Morgen geht es für uns auf ein kleines Geschicklichkeitsturnier und wie ihr wisst waren wir fleißig am üben. Anhänger und Fahrer sind organisiert, jetzt muss nur noch das Wetter stimmen, denn für morgen ist leider eher wechselhaftes Wetter mit Schauer gemeldet.
Ich habe den Entschluss gefasst hinzufahren, solange es nicht aus Eimern schüttet, oder das Turnier abgesagt wird.

Wir sind es mit dem Training dafür eher gemächlich angegangen und haben eins nach dem anderen geübt. Da ich letzte Woche allerdings unerwartet sehr viel arbeiten musste, konnten wir nicht so viel üben, wie eigentlich geplant.
Besonders für die Geschicklichkeitsaufgaben haben wir leider nicht viel mehr geübt, als einen Slalom einhändig zu durchreiten und rückwärts durch eine L-Form aus Dualgassen zu laufen. Bei letzterem war Chitto anfangs sehr tollpatschig und hat sich nicht daran gestört auf die weichen Dualgassen zu treten, oder sie wegzuschieben. Mit etwas Übung und viel Leckerlis wurde er dann aber total übereifrig und lief in einem affenzahn Rückwärts, sodass ich ihn fast nicht mehr anhalten konnte. Am nächsten Tag klappte es aber ein schon viel besser, diesmal dann auch ohne Leckerli. Ein "Tor" aus einem Stromband auf und zu machen haben wir auch geübt, was leider nicht so gut klappte, weil die Öse direkt hinter einer Laterne war und ich daher nicht sehr gut mit Chitto drankam. Da wir das in der Vergangenheit schon ein paar Mal einfach aus Spaß gemacht haben, dürfte das aber auch mit etwas Geduld klappen.

An Schreck- und Gelassenheitstraining haben wir alles trainiert was mir so eingefallen ist. Eine Plane hatte ich leider nicht und nahm daher einen Müllsack, welcher Chitto überhaupt nicht beeindruckt hat, ebenso wie der Regenschirm. Auf, zu, auf, zu - kein Problem, unter ihm stehen naja, der dicke Kopf passt kaum drunter. Nur auf dem Reiter habe ich ihn noch nicht testen können, da jedes Mal andere Pferde mit auf dem Platz waren und ich diese nicht zu Tode erschrecken wollte, aber ich denke er würde nicht in Panik ausbrechen, sollte eine solche Aufgabe drankommen.
Vor Luftballons hatte er die meiste Angst, ich denke es liegt wohl am Geruch. Beim Aufblasen selbst war Chitto noch sehr neugierig und fand das ganz lustig, nur der Geruch gefiel ihm nicht so sehr. Dann drehte er sich weg, als würde er einfach cool in die andere Richtung laufen, aber wollte sich mir mit dem Luftballon in der Hand nicht mehr nähern und schaute drückte sich an die Bande. Es sah ja wirklich süß aus, man hat die Unsicherheit in seinem Gesicht gesehen, er fand die Ballons nicht gerade toll, aber Panik brach auch nicht aus, er stand einfach verunsichert in der Ecke und überlegte seinen nächsten Schritt. Also haben wir uns die gruseligen Ballons zusammen angeguckt, so war es auch nicht mehr schlimm und Chitto hat sich danach sogar mit ihnen abstreichen lassen.
Das einzige was wir leider nicht üben konnten, was ich allerdings eigentlich unbedingt machen wollte, ist durch einen Vorhang aus Absperrbändern zu laufen. Hierbei wird sich Chitto wahrscheinlich am ehesten schwer tun und verweigern durchzulaufen. Leider hatten wir keine besonders gute Möglichkeit so etwas aufzubauen, da wir keine Springständer haben. Falls das in dem Parcours abgefragt werden sollte, und ich gehe eigentlich schon davon aus, muss ich wohl oder übel absteigen und ihn hindurchführen, das sollte zumindest gehen.

Ich bin schon leicht nervös, nicht weil ich mir dort einen Sieg erhoffe, wir machen ja bloß zum Spaß mit, das ganze Programm ist ja bloß zum Spaß, aber ich habe doch etwas Angst, dass Chitto in der fremden Umgebung zu nervös wird und mit mir den Clown macht. Er kann nämlich, so entspannt, wie er daheim ist, von null auf hundert an die Decke gehen und dabei fast unkontrollierbar werden. Also drückt mir alle die Daumen, dass er relativ ruhig bleibt und wir nicht die Nerven verlieren.

Mittwoch, 14. September 2016

Kondition aufbauen


Chitto hatte lange Zeit absolut keine Ausdauer beim Galoppieren. Er konnte einen Zirkel galoppieren und dann parierte er von selbst durch. Das war besonders in der Reitstunde immer wieder eine Herausforderung, weil ich ihn ständig neu angaloppieren musste und andauernd darauf achten musste, dass er mir nicht wieder ausfiel, so kam ich gar nicht zum richtigen Sitzen und er fiel mir erst recht aus.

Nach einer Weile beschloss ich, dass es so nicht weitergehen konnte, ich überwand meine Angst und versuchte regelmäßig auf unsere Rennbahn und nach dem Reiten noch eine Runde ins Gelände zu gehen. Meine Reitbeteiligung half da kräftig mit, sie traut sich da etwas mehr als ich.
Seitdem wird Chittos Kondition immer besser. Selbst die langen Schrittrunden nach dem Reiten haben schon viel gebracht, denn er war dann insgesamt meist etwa eineinhalb Stunden unter dem Sattel.
Im Gelände und auf der Rennbahn hat Chitto eindeutig mehr Spaß und galoppiert von sich aus schon gerne etwas vorwärts, trotzdem darf man solch ein Pferd nicht einfach laufen lassen, denn das würde wenig für die Kondition tun. Ein ausgeglichener Dreitakt, der schon auch zügig sein darf, aber eben kein wildes Gerenne, fördert gleichermaßen Ausdauer und Kraft.
Auch beim Reiten auf dem Platz musste ich einiges ändern. Bis zu der Zeit habe ich Chitto nach dem Ausfallen kurz weiter traben lassen, damit er etwas herunterfährt, ich mich sammeln konnte und er nicht in den Galopp hineinrennt. Als er dann aber schon etwas mehr Kondition hatte, aus Gewohnheit - weil er ja sonst auch immer damit durchgekommen ist - aber immer noch gerne mal ausfiel, musste ich konsequenter werden. Direkt nach dem Ausfallen wieder angaloppieren, zumindest, wenn ich ihn einigermaßen vorbereitet hatte. Und so wurden die Runden immer länger und Chitto schafft mittlerweile deutlich mehr und längeren Galopp, als noch im Winter. Es ist noch um einiges ausbaufähig, aber momentan möchte ich ihm gar nicht noch mehr Kondition antrainieren, weil wir vorzugsweise ins Gelände gehen und ich die Befürchtung habe, dass er mir im Winter zu sehr aufheizt.

Nur auf dem Platz hätte ich es niemals geschafft ihm die Kondition anzutrainieren, die er jetzt hat, das habe ich jahrelang versucht. Gelände ist für mich also eine der besten Trainingsmethoden überhaupt, falls man es eine Methode nennen kann. Leider sind die Strecken bei uns nicht sehr lang, weshalb ich dann gerne unsere kleine Rennbahn benutze.